Im Interview berichten Dieter Ludwigs von regio iT und Matthias Stoller von OWL-IT über die Motivation für die Intensivierung der Partnerschaft, den Mehrwert für die Kommunen in NRW und die Bedeutung für das Big Picture – die Konsolidierung der kommunalen IT-Landschaft in NRW.
OWL-IT und regio iT sind nicht nur als Mitglieder im KDN miteinander verbunden. Beide IT-Dienstleister arbeiten auch schon seit vielen Jahren in den Bereichen Personalmanagement und Sitzungsmanagement erfolgreich zusammen. Mit der jetzt vereinbarten Kooperation bauen sie ihre Partnerschaft weiter aus. Was ist der Grund für diesen Schritt?
Dieter Ludwigs: Die Geschwindigkeit, mit der neue digitale Technologien verfügbar sind und sich weiterentwickeln, hat in den zurückliegenden Jahren enorm zugenommen. Was wir aktuell bei generativer KI erleben, ist der vorläufige Höhepunkt. Die Dynamik hat aber schon vorher eingesetzt.
Um das enorme Potenzial all dieser Technologien für die Öffentliche Verwaltung nutzbar zu machen, müssen erst einmal Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen Qualifikationen einiges an Zeit investieren. Genau das machen OWL-IT und regio iT im Rahmen der Partnerschaft. Indem wir unsere Kräfte bündeln, stehen uns mehr personelle Kapazitäten und ein breiteres Know-how zu Verfügung. Die Kosten für die Entwicklung von Innovationen teilen wir, wodurch beide Partner wirtschaftlicher agieren. Und wir verkürzen die Time-to-Market und können dadurch unseren Kunden deutlich schneller attraktive Angebote machen.
Matthias Stoller: Für den Ausbau unserer Kooperation war außerdem wichtig, dass unsere strategische Ausrichtung gut zueinander passt. Außerdem ist es auch atmosphärisch ein Match – über alle Ebenen hinweg. Es besteht ein hohes Vertrauen untereinander und alle erleben die Zusammenarbeit als Bereicherung.
Es geht also um die Zusammenarbeit bei innovativen Technologien. Was genau wollen Sie realisieren?
Matthias Stoller: Für den Anfang haben wir vier Innovationsfelder im Blick: Künstliche Intelligenz, Low Code, Urbane Datenplattformen und Robotic Process Automation (RPA). Wir sind fest davon überzeugt, dass Kommunen mit entsprechenden Lösungen erhebliche Gewinne bei der Effektivität und Effizienz erzielen können. Voraussetzung dafür ist, dass diese Lösungen den Anforderungen der Öffentlichen Verwaltung gerecht werden und die rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Und hier liegt oft die Crux: ChatGPT, Claude oder Gemini sind natürlich unglaublich leistungsfähig. Für datenschutzsensible und rechtsverbindliche Verwaltungsprozesse sind diese Lösungen aber nicht ohne Weiteres geeignet. Insbesondere dann nicht, wenn es um die Daten der Bürgerinnen und Bürger geht. Wir wollen gemeinsame Lösungen, Betriebsmodelle und konkrete Anwendungsfälle entwickeln und schrittweise in die Praxis überführen.
Dieter Ludwigs: Bei all dem starten wir nicht bei Null, sondern gehen von dem aus, was beide Partner bereits realisiert haben. OWL-IT beispielsweise bringt die Low-Code-Plattform von Axon Ivy ein. Diese ist für die Kunden von OWL-IT schon seit einiger Zeit verfügbar. Wir werden die Axon-Ivy-Plattform jetzt bei einer größeren Stadt aus Ost-Westfalen einführen, die zu unseren Kunden gehört. Das passt also auch geografisch. Uns geht es darum, gemeinsam Use Cases auf der Plattform zu entwickeln, die nachnutzbar sind. Die Betriebskosten teilen wir uns, und in den Projekten können wir gegenseitig Personal einbringen und schaffen so Mehrwerte für alle Beteiligten.
Matthias Stoller: regio iT wiederum hat bereits eine sehr tragfähige Architektur für Künstliche Intelligenz etabliert. Wir werden diese Architektur künftig auch unseren Kunden verfügbar machen und dann gemeinsam mit regio iT sukzessive neue Use Cases erarbeiten.
Das Vorgehen, dass wir jetzt beispielhaft für die Innovationsfelder Low Code und KI skizziert haben, lässt sich auch auf andere Felder übertragen. Neben der Arbeit an jeder einzelnen Lösung schreiben wir kontinuierlich an einem Playbook, das Standards für Architekturen und Betriebsmodelle umfasst und das uns dabei hilft, immer schneller zu agieren.
Gibt es neben den vier Innovationsfeldern weitere Bereiche, in denen Sie künftig zusammenarbeiten?
Dieter Ludwigs: Mir ist die Fort- und Weiterbildung für Kommunalverwaltungen noch ein besonderes Anliegen. Denn nur wenn die Beschäftigten in der Öffentlichen Verwaltung eine Technologie souverän und kompetent einsetzen können und Wissen langfristig in der Organisation verbleibt, wird es zu den erhofften Erfolgen kommen.
Mit cogniport besteht bereits eine kommunale Gesellschaft, die entsprechende Qualifizierungsangebote und Plattformen bereitstellt. Neben regio iT sind dort auch zwei weitere kommunale IT-Dienstleister Gesellschafter engagiert.
Vor diesem Hintergrund würde es mich sehr freuen, wenn durch die Partnerschaft mit OWL-IT eine noch engere Zusammenarbeit mit cogniport entstehen könnte.
Matthias Stoller: Wir arbeiten schon seit einiger Zeit beim Personalmanagement und Sitzungsmanagement zusammen. Eng damit verbunden ist das Dokumentenmanagement. Auch hier werden wir künftig abgestimmt handeln und unsere gemeinsamen Vorstellungen gegenüber dem Markt artikulieren: um gegebenenfalls bessere Preise zu erzielen und vor allem um die Roadmap mitzugestalten.
In Zukunft möchten wir uns darüber hinaus prozessuale Aspekte anschauen. Dazu gehört zum Beispiel der Service. Konkret wird das bedeuten, dass wir uns bei den Service Level Agreements annähern. Wenn wir gemeinsam Lösungen anbieten, ist das im Grunde unerlässlich. Schließlich soll es für Kunden keinen Unterschied machen, ob sie ein und dieselbe Lösung bei regio iT oder bei OWL-IT beziehen.
Aktuell ist ein Prozess im Gang, der zum Ziel hat, die kommunale IT-Landschaft in NRW zu konsolidieren. Inwieweit schafft die Kooperation von OWL-IT und regio iT schon heute Fakten?
Dieter Ludwigs: Um es einmal deutlich zu sagen: Eine Fusion von OWL-IT und regio iT ist nicht beabsichtigt! Insofern greifen wir dem erforderlichen Konsolidierungsprozess nicht vor. Aber: Die Gründe für die angestrebte Etablierung einer zentralen IT-Organisation und eine wesentliche stärkere Fokussierung bei den IT-Dienstleistern halten wir für absolut sinnvoll, sogar für unverzichtbar. Nur auf diese Weise wird es uns gelingen, den Kommunen in NRW dauerhaft attraktive Angebote zu machen und mithilfe der Digitalisierung handlungsfähig zu bleiben. Nur auf diese Weise haben wir eine echte Chance, als kommunale IT-Dienstleister langfristig im Wettbewerb mit größeren Technologieunternehmen zu bestehen. Nur auf diese Weise werden wir die Interessen der Kommunen und der kommunalen IT-Dienstleister gegenüber dem Land und dem Bund wirksam vertreten können. Mit unserer jetzt schon vereinbarten Kooperation sind wir vielleicht so etwas wie ein Proof of Concept für NRW insgesamt.
Matthias Stoller: Wir glauben daran, dass alle Beteiligten von einer Zusammenarbeit profitieren. Weil Kooperationen eben kein Nullsummenspiel sind, sondern Win-Win-Situationen herbeiführen. Mit dieser Haltung begleiten wir auch den Konsolidierungsprozess in NRW. Vielleicht sind wir nicht mit jedem einzelnen Schritt glücklich und würden hier und da einen anderen Weg wählen. Hinter der Richtung und dem Ziel stehen wir aber voll und ganz. Daher bringen wir uns ein und wollen aktiv mitgestalten.
Wenn Sie Ende 2026 auf Ihre Partnerschaft zurückschauen – was muss bis dahin passieren, damit Sie den Schritt als Erfolg bewerten?
Matthias Stoller: Zum einen müssen ein Wir-Gefühl und eine Dynamik spürbar sein. Die Kolleginnen und Kollegen in den Teams müssen Lust haben, sich auf neue Menschen einzulassen und auch einmal neue Wege zu gehen. Unser Eindruck ist, dass das bereits heute genau so passiert. Zum anderen sollten auch ein paar Innovationen umgesetzt sein. Nicht bloß als Prototypen, sondern als echte Lösungen, die unsere Kunden regulär bei uns beziehen können.
Dieter Ludwigs: Und diese Lösungen sollten für die Kommunen einen echten Unterschied machen. Wenn uns unsere Kunden spiegeln, dass wir ihnen Innovationen schnell zugänglich gemacht haben und das zu einem guten Preis und mit einem hervorragenden Service – dann haben wir vieles richtig gemacht.







